Abgeschlossen: „Der Fall Faust“

Auf der Suche nach dem eigenen Glück hat Faust viel durchgemacht.
Deshalb ist er auch nach sechs dramatischen Auftritten zwischen dem 10.07.2014 und 19.07.2014 für eine ganze Weile von der Bildfläche verschwunden. Und mit ihm auch Gretchen, alle Hexen, Meerkatzen und tanzende Teufel.

Was wir zum Glück nicht mehr loswerden: wunderbare Erinnerungen an eine tolle Jugendklub-Zeit, schöne Bilder von den Aufführungen, Ohrwürmer von „crying at the discoteque“ und „addicted to you“ und das Gefühl, gemeinsam ein eindrucksvolles Theaterstück auf die Beine gestellt zu haben. Goethe sei Dank!

An alle Fall-Faust-Jugendklubler: Ihr wart super, es hat Spaß gemacht mit euch!

Eine Kleiderstange wandert über den Altstadtmarkt

Kleiderständer, Styroporplatten, Bambusstäbe, Stoffe, Kartons…Auf ihrem Weg zur Bühne wanderten schon viele interessante Dinge durch Braunschweig. Glücklicherweise haben wir bei unserem Stück kein kompliziertes Bühnenbild oder tausend Requisiten. Ein paar wichtige Dinge gibt es aber schon und die müssen natürlich ins Theater transportiert werden.
Zu Fuß.

Requisitentransport

Jetzt ist alles da. Das ist gut, denn morgen ist Generalprobe :-).

Jetzt wird’s ernst…

Das letzte Blockprobenwochenende ist nach gefühlten 72 und tatsächlich erlebten 20 Stunden nun vorbei. Das Proben hat sich gelohnt: Wir haben viele Lücken gefüllt und heute erneut einen Durchlauf vor einem Mini-Publikum
(2 Zuschauer) geschafft. Trotz des recht engen Proberaums, ein paar unfreiwilligen Zusammenstößen und holprigen Übergängen zwischen den Szenen lief es ziemlich gut. Wir waren alle zwischendurch ganz schön müde und zum Ende des Probentages wurden alle ganz albern-kaputt. Ein Highlight des Wochenendes: Die Meerkatzen aus der Hexenküche-Szene haben sich in kleine zischende Käfer verwandelt. Das Stück steht nun soweit, es hat Anfang, Mitte und Schluss- gute Voraussetzung drei Wochen vor der Premiere :-). Im Gegensatz zum Durchlauf vor zwei Monaten haben wir einen großen Schritt gemacht und versucht, das Feedback umzusetzen, welches wir im April vom Gastpublikum bekommen haben. Zwei Szenen haben wir zum Beispiel auch komplett verändert, da neue Ideen entstanden sind, die im Gesamten besser passen. In dieser “heißen Phase” der Proben ist es wichtig, in kleinen Gruppen einzelne Szenen detaillierter zu bearbeiten, damit für alle Spieler z.B. die “Haltung” ihrer Figur klar ist. Am Freitag waren unter anderem die Fäuste an der Reihe. Warum “die Fäuste”? Weil es bei 14 Jugendlichen und drei Hauptrollen eine mögliche Lösung ist, eine Rolle von mehreren Spielern darstellen zu lassen. Deshalb gibt es bei unserer Faust-Version Fäuste, Gretchens, Mephistos, Marthes. Die sind alle ganz gute Teams! Nach einem kurzen körperlichen Warm Up probten wir den “alten Faust” und seine Verwandlung zum “jungen Faust”. Wir wiederholten und legten genauer fest: Wie bewegt sich der alte Faust, was hat er für eine Körperhaltung, welche spezifischen Gesten macht er im Gegensatz zum jungen Faust?
Nach dem Durchlauf  wissen wir nun auch, wie lang das Stück wohl gehen wird. Heute haben wir exakt eine Stunde gebraucht, was eine gute Zeit ist. Der Durchlauf hat gezeigt, welche Übergänge noch unklar sind, welche Texte noch nicht sitzen, welche Szenen noch mehr Feinschliff brauchen.
Was als nächstes gemacht werden muss?  Das Skript vervollständigen, Termin für die technische Einrichtung im Saal klar machen, Trackliste zusammenstellen….und sich mehr und mehr auf die Premiere freuen!

Film ab

Gretchen im Kerker ist bei uns: Malin vor der Kamera.
Das war eine ganz besondere Herausforderung. Die Kamera fünf Zentimeter vor dem Gesicht, panisch im Raum herum schauen, lethargisch auf einem Stuhl hin und her wippen, wie verrückt die Haare flechten…und dabei möglichst versuchen immer ernst zu bleiben. Keine so leichte Aufgabe, aber
Malin hat sie ziemlich gut gemeistert!

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Feedback go!

Am Ende unserer Intensivprobenwoche haben wir uns, wie im letzte Beitrag schon erwähnt, Gastpublikum eingeladen. Dabei waren vor allem ehemalige Darstellendes Spiel Studenten, die jetzt beruflich entweder im Lehramt oder in der Theaterpädagogik/künstlerischen Richtung tätig sind.

_MG_3093Feedback von Außen gehört zum Probenprozess dazu. Wenn man selbst als Spielleiter zu sehr „drin steckt“ fällt es manchmal schwer, Lücken zu erkennen und die Außenwirkung objektiv zu beurteilen. Ein breites Spektrum an Meinungen und Tipps sind dabei hilfreich und wirken sich immer positiv auf die darauffolgenden Proben aus! Unsere Spieler wurden vor allem für ihre Spielfreude und die tolle Bühnenpräsenz und -energie gelobt. Dinge, die wir als Leiter zu 100% unterschreiben können! Bei den Endproben wird noch einmal ein Testpublikum eingeladen, um letzte Unklarheiten zu beseitige und vielleicht noch tolle Tipps für die anschließenden Aufführungen zu bekommen.

Für die Spieler ist das Feedback von Außen besonders wichtig. Unsicherheiten wie: Versteht das Publikum das Bild? Muss da nicht noch eine Erklärung kommen? Wird die Handlung nachvollziehbar? – werden in der Runde rückgemeldet und meistens ist es für die Spieler spannend zu hören, dass jeder einzelne Zuschauer entweder Dinge genau gleich verstanden hat oder es zu Wahrnehmungunterschieden kam, die sich aber spannend im anschließenden Austausch und der Diskussion machen. Kein Zuschauer ist wie der andere, jeder sieht Geschichten vielleicht sogar unterschiedlich und hat seinen Wahrnehmungsfokus woanders. Dass man nicht zu jeder bildlichen oder verrückten Szene eine Erklärung nachschieben muss, darauf muss man in der Inszenierungsarbeit und vor allem als Spieler drauf vertrauen. Das ist Theater!